Grüner Wasserstoff im Spannungsfeld

Projekt

Nachhaltige Entwicklung? Grüner Wasserstoff im Spannungsfeld von sozialer Gerechtigkeit, Umweltschutz und Deutschlands kolonialer Verantwortung in Namibia

Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV)

Projekt

Nachhaltige Entwicklung? Grüner Wasserstoff im Spannungsfeld von sozialer Gerechtigkeit, Umweltschutz und Deutschlands kolonialer Verantwortung in Namibia Projektpartner

Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV)

Profil


Organisation/Unternehmen
Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV)


Projektname
Nachhaltige Entwicklung? Grüner Wasserstoff im Spannungsfeld von sozialer Gerechtigkeit, Umweltschutz und Deutschlands kolonialer Verantwortung in Namibia


Projektzeitraum
01.04.2025 – 31.12.2025


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Bildrechte: Sarah Neumeyer

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) ist eine international tätige, unabhängige Menschenrechtsorganisation mit Sitz in Göttingen. Sie setzt sich für verfolgte und bedrohte ethnische und religiöse Minderheiten, Nationalitäten und indigene Gemeinschaften ein. Durch Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit macht die Organisation auf Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen aufmerksam und übt Druck auf politisch Verantwortliche sowie Unternehmen aus.

Das European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) ist eine gemeinnützige und unabhängige Menschenrechtsorganisation mit Sitz in Berlin. Gemeinsam mit Betroffenen und Partner*innen nutzt die Organisation juristische Mittel, um Verantwortliche für Folter, Kriegsverbrechen, sexualisierte Gewalt, wirtschaftliche Ausbeutung und abgeschottete Grenzen nicht ungestraft davonkommen zu lassen.

Projektbeschreibung

Während erneuerbare Energien unabdingbar für eine ökologische Transformation sind, können sie nur nachhaltig sein, wenn sie nicht auf Kosten eines international anerkannten Biodiversitätshotspots produziert werden und keine wirtschaftliche Ausbeutung oder soziale Benachteiligung ermöglichen oder verstärken. In Namibia wird derzeit ein Projekt zur Produktion von grünem Wasserstoff vom Unternehmen Hyphen Ltd. geplant. Das Projekt hat einen Wert von fast 10 Milliarden US-Dollar, was etwa dem jährlichen Bruttoinlandsprodukt Namibias entspricht. Die Wasserstoff-Anlage soll in einem 4000 km² großen Gebiet im Tsau||Khaeb-Nationalpark in der Nähe von Lüderitz gebaut werden und bis 2029 jährlich bis zu zwei Millionen Tonnen des Wasserstoffderivats Ammoniak produzieren. Anteilseigner an Hyphen Ltd. ist unter anderem das in Brandenburg ansässige Unternehmen Enertrag. Der deutsche Energieriese RWE hat mit Hyphen eine Absichtserklärung über die Abnahme mehrerer Hunderttausend Tonnen Ammoniak aus diesem Projekt unterzeichnet.

Vor dem Hintergrund des kolonialen Erbes der Region und des Völkermordes an den Nama ist es von größter Bedeutung, sie als betroffene indigene Gemeinschaft, die von Deutschlands kolonialen Bestrebungen ausgebeutet wurde, an den Entscheidungen zu beteiligen. Der sogenannte „Meilenschwindel“ und die Deklaration des heutigen Tsau||Khaeb-Nationalparks zum Diamanten-Sperrgebiet 1908 führten zur Vertreibung der Nama aus großen Teilen ihres Landes. Das Land hat jedoch für die Nama eine hohe historische, gesellschaftliche und spirituelle Bedeutung. Das Fehlen einer angemessenen Konsultation bedroht ihr Recht auf Selbstbestimmung und macht das Hyphen-Projekt zu einem klaren Beispiel für neokolonialen Extraktivismus.

Darüber hinaus ist der Tsau||Khaeb-Nationalpark als einziger trockener Biodiversitäts-Hotspot der Welt anerkannt. Während Hyphen sich mit Umwelt- und Machbarkeitsstudien beschäftigt, stellt das Unternehmen in der öffentlichen Kommunikation die Auswirkungen der Projektumsetzung unzureichend dar.

Auch an der Sozialverträglichkeit des Projekts gibt es große Zweifel. Die anliegende Stadt Lüderitz hat eine sehr hohe Arbeitslosenquote. Zwar verspricht Hyphen, mehrere Tausend Arbeitsplätze zu schaffen, allerdings ist unklar, inwieweit diese von der lokalen Bevölkerung ausgeführt werden können. Es wird befürchtet, dass die geschaffenen Jobs eher durch Personal aus anderen namibischen Städten oder aus dem Ausland besetzt werden, sodass sich die wirtschaftliche Lage für die lokale Bevölkerung nicht bessern würde und die Ungleichheit zunähme.

Projektziele

Mit diesem von der HERING-Stiftung Natur und Mensch geförderten Projekt wollen die GfbV und das ECCHR auf die Einhaltung der Menschenrechte und des Umwelt- und Naturschutzes im Rahmen des Hyphen-Projekts hinwirken. Es muss sichergestellt werden, dass die Rechte der betroffenen Nama und der Bevölkerung von Lüderitz durch Hyphen berücksichtigt und sie angemessen miteinbezogen werden. Darüber hinaus sollen sie ihre Forderungen gegenüber politischen und wirtschaftlichen Akteur*innen in Namibia, Deutschland sowie auf internationaler Ebene effektiver vorbringen können.

Die GfbV und das ECCHR erarbeiten zusammen mit der Nama Traditional Leaders Association (NTLA) ein Workshop-Konzept, das auf den Bedürfnissen und Forderungen der Nama in Bezug auf das geplante Vorhaben von Hyphen basiert und gleichzeitig die Lüderitzer Bevölkerung einbezieht. Hauptzielgruppe der Workshop-Formate sind die jungen Nama sowie deren Verbindungen mit der Zivilgesellschaft in Lüderitz. Im Rahmen eines Youth Summit und weiterer Veranstaltungen sowie im Austausch mit Expert*innen sollen der deutsche Kolonialismus in Namibia sowie die möglichen Folgen des Hyphen-Projekts diskutiert und rechtliche Interventionen exploriert werden. Die Veranstaltungen und Aktivitäten dienen dem Capacity-Building und der Advocacy-Arbeit. Die jungen Teilnehmenden sollen als Multiplikator*innen für die Nama Communities und die Bevölkerung von Lüderitz fungieren und das Wissen ihrerseits weitergeben. Darüber hinaus sollen junge Mitstreiter*innen gefunden werden, die die Anliegen der Nama auf Veranstaltungen und in Gesprächen weitertragen und in Zukunft federführend übernehmen können.

Neben den Aktivitäten vor Ort spielt auch die Advocacy-Arbeit in Deutschland eine entscheidende Rolle, um Politik, Wirtschaft und die Öffentlichkeit für die zu erwartenden Folgen des Projekts zu sensibilisieren und die Projektbetreiber sowie involvierte deutsche Unternehmen dazu zu bewegen, international geltende Normen einzuhalten. Auch die internationale Menschenrechtsarbeit ist Teil des Projekts.

Projektstatus

Der Youth Summit hat erfolgreich im April 2025 stattgefunden. Die Teilnehmenden wurden über den historischen Hintergrund des deutschen Kolonialismus sowie das Hyphen-Projekt informiert. Ebenso wurden menschenrechtliche Bedenken gegen das Hyphen-Projekt und Hinweise auf die Verantwortung von RWE in einem gemeinsamen Brief und später mündlich auf der Jahreshauptversammlung des Unternehmens vorgetragen.